Back-Special: Omas Rezepte sind immer modern!

Vor ziemlich genau sechs Jahren habe ich auf meinem Blog mein erstes Back-Special veröffentlicht – das Rezept des Marmorkuchens meiner Oma, das ich damals mit ihr zusammen nachgebacken habe. Heute knüpfe ich daran an. Denn vor Kurzem musste ich mich von meiner Oma verabschieden. 93 Jahre alt ist sie geworden, und was von ihr bleibt, sind eine Unmenge an schönen, lustigen und herzenswarmen Erinnerungen.

Noch am Tag ihrer Beerdigung baten mich meine Brüder unabhängig voneinander, doch bald ihren Marmorkuchen zu backen. Das kann man pietätlos nennen – ich nenne das liebevoll. Denn dieser Kuchen steht für unsere ganze Kindheit mit unserer Oma. Und wie kann man die Erinnerung daran schöner bewahren, als mit einem alten Rezept, aus dem ein köstlicher Kuchen entsteht?

Ich durfte einige Erinnerungen an meine Oma behalten. Dazu gehören drei alte Backbücher, in denen ich früher schon immer mal gestöbert habe. Jetzt haben sie natürlich auch emotionalen Wert für mich, aber selbst wenn ich diesen vernachlässige, ist das Durchblättern immer wieder hochinteressant. 

Leider fehlt im Impressum der Bücher das Jahr der Veröffentlichung, aber dem Stil der Fotos nach zu urteilen, schätze ich den Erscheinungszeitraum mal auf Anfang der 80er. Vorherrschende Farben sind Braun, Beige und ein etwas schmutziges Weiß. Wie man das damals appetitlich finden konnte, ist mir ein Rätsel! Ehrlich gesagt kamen mir beim Durchblättern manchmal die Tränen – aber nicht vor Rührung, sondern vor Lachen! Im Buch „Backen macht Freude“ von Dr.Oetker steht unter den  „Allgemeinen Backregeln: „Eine Hausfrau muss, wenn sie gutes Gebäck zubereiten will, nicht nur die Herstellung der verschiedenen Teigarten beherrschen, sie muss auch ihren Herd kennen.“ Buahaha!! Für so einen Satz würde man heute sein gesamtes Vermögen in die Macho-Kasse zahlen müssen! Wobei am Inhalt selbst ja kaum was auszusetzen ist: Willste backen, musste dich ans Rezept halten, und deinen Herd kennen. Aber dieses „Eine Hausfrau…“!

Ähnlich haarsträubend geht es in „Backen nach Großmutters Art“ weiter. Die Bildunterschrift der Titelseite lautet „Jungfer Rosies Bienenstich ist eine Spezialität für Junggesellen, die Sehr feine Weintorte erfreut besonders ältere Damen und Herren.“ What??! Hat man sich in den 80ern so seine Welt zurechtgeredet?

Abgesehen davon enthalten diese alten Backbücher aber zum großen Teil wirklich bewährte, klassische Rezepte, die immer noch gut sind und zu vielem passen: Streuselkuchen, Biskuitrolle, die beliebtesten Weihnachtsplätzchen, Käsekuchen, Zwetschgendatschi backe und esse ich heute noch sehr gern. Auch für herzhaftes Gebäck und Pizza (damals wahrscheinlich „der letzte Schrei“!) finden sich viele Rezepte. 

Meine aktuelle Herausforderung lässt sich so zusammenfassen: Wie kann ich frühere, eigentlich gute, aber heute altmodische Rezepte – beispielsweise für Schwarzwälder Kirschtorte oder Mokkatorte – so variieren, dass sie genauso gut schmecken, aber in die heutige Zeit passen? Anstatt der Mokkatorte sehe ich eher kleine Tartelettes vor mir, die Schwarzwälder Kirschtorte würde ich als Petit Four versuchen… Und mir bleibt nur eines zu sagen: Danke, Oma.

Habt ihr noch alte (hoffentlich auch mit Flecken und Rissen versehene) Backbücher zuhause? Was backt ihr am liebsten daraus?

Christian Teubner und Annette Wolter: „Backvergnügen wie noch nie“, Gräfe und Unzer

Hannelore Bohm: „Backen nach Großmutters Art“, Gräfe und Unzer

Dr. Oetker: „Backen macht Freude“

Süße Grüße!

One Comment

  1. Kathrin Birr

    Liebe Rese,
    um ehrlich zu sein – ich hatte beim Lesen einen dicken Kloß im Hals. Die Omma und ihr Marmorkuchen! Unvergesslich, ganz besonders die (zugegebenermaßen etwas schroffe, aber herzliche) Bescheidenheit der begnadeten Bäckerin, wenn ihre Spezialität über den grünen Klee gelobt wurde: “Ach ja, lecker! Der ist doch nix Besonderes!”
    Leider besteht meine Sammlung aus größtenteils losen Blättern, die ich bei Bedarf rauskrame und mich über die Randnotizen meiner Mutter amüsiere. Schon lange wollte ich einen schönen Ordner zusammenstellen, in dem auch das Rezept für den Omma- Kuchen (von ihr diktiert) einen Ehrenplatz erhält!
    Nun ist aber erst einmal die Weihnachtsbäckerei dran! Bin nach dem Lesen Deines Blogs hochmotiviert und wühle mich gleich durch den Haufen bewährter und bekleckerter Seiten! Bethmännchen, Zimtsterne, Engelsaugen, …
    Liebste Grüße!
    Kathrin

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