Geschmack der Kindheit: Zitronenkuchen

Mein ältester Bruder wohnt für zwei Wochen bei uns, wie schön. Da bei ihm zuhause zwar hervorragend gekocht, aber eher weniger gebacken wird, freut er sich oft schon vor der Ankunft bei uns auf Selbstgebackenes. Toll, so kann ich nach Herzenslust dem Backwahn fröhnen und muss nicht die Hälfte meiner Kuchen und Törtchen einfrieren. Die verputzt mein Bruder nämlich schneller als ich gucken kann.

Bevor er ankam, überlegte ich mir also, was ich wohl backen sollte: Schokoladentrüffeltorte. Brombeertarte. Den ersten Stachelbeerkuchen meines Lebens. Als ich ihn aber fragte, was er sich denn wünschte, überlegte er nur kurz und sagte: “Zitronenkuchen mit weißem Zuckerguss.” Wie niedlich. Da haben wir nun die 30 überschritten, sind erwachsen und (nach außen) seriös, und wollen in Wahrheit nur zurück in die Kindheit versetzt werden. Wenigstens zeitweise – mit Hilfe unserer Lieblingsgerichte aus der Kinderzeit. Mir geht’s genauso. Der Marmorkuchen meiner Oma, die Bolognese meiner Mutter und die Vanillekipferl meiner anderen Oma verleihen mir schlagartig innere Zufriedenheit.

Also Zitronenkuchen für meinen Bruder. Alles klar. Klingt simpel, ist es eigentlich auch. Schließlich ist Zitronenkuchen nur ein einfacher Rührkuchen, bei dem alle Zutaten zusammengekloppt werden, und ab in den Ofen damit. Kein Eiweiß aufschlagen, keine Gelatine einweichen oder so ein komplizierter Kram. Aber so einfach ist es dann doch nicht, denn ein simpler Kuchen birgt einige Gefahren. Er kann zu trocken geraten, oder zu fettig. Oder zu langweilig und geschmacksarm. Aber mit etwas Übung, einem guten Rezept und dem Einhalten der Zubereitungs-Abfolge gelingt’s. Hier kommt es auf den feinen Teig (Stärke!), das süße Aroma (Mandeln!) und die richtige Saftigkeit (Zitronensaft!) an.

Hier das Rezept für eine normale Springform:

  • 200 g Butter oder Margarine
  • 150 g Zucker
  • 1 Päckchen Vanillin-Zucker
  • 1 Prise Salz
  • 1 Päckchen geriebene Zitronenschale
  • 4 Eier
  • 175 g Mehl
  • 75 g Speisestärke
  • 2 TL Backpulver
  • 50 g gemahlene Mandeln
  • Saft einer großen Zitrone
  • 50 ml Milch
  • 1 EL brauner Zucker
  • 150 g Puderzucker

1. Schlagt Butter, Zucker, Vanillezucker, Zitronenschale und Salz in einer Rührschüssel schaumig auf.  Gebt die Eier nach und nach dazu und verrührt alles gleichmäßig, aber nur so lange, bis die Eier gerade untergemischt sind. Presst die Zitrone aus.

2. Mischt Mehl, Stärke und Backpulver und siebt die Hälfte davon zur Eier-Zucker-Butter-Mischung. Gießt etwas mehr als der Hälfte des Zitronensafts dazu, mischt die Mandeln unter und verrührt alles. Gebt jetzt den Rest der Mehl-Mischung und die Milch dazu und vermengt alles zu einem glatten Teig. Achtet darauf, nur so lange zu rühren, bis alle Zutaten gerade miteinander vermischt sind. Zu langes Rühren macht den Teig zäh und den Kuchen zu fest.

3. Füllt den Teig in die gefettete Springform und streicht ihn glatt. Backt den Kuchen bei 180 Grad Umluft auf der untersten Stufe für etwa 40 Minuten. Da jeder Ofen anders ist, achtet bitte darauf, dass der Kuchen nicht zu braun wird und nehmt ihn evtl. früher raus. Um zu testen, ob der Kuchen gut ist, stecht mit einem Metall- oder Holzstäbchen in die Mitte des Kuchens. Wenn wenige kleine Krümel daran hängen bleiben, ist er gut.

4. Mischt den restlichen Zitronensaft bis auf einen Esslöffel mit dem braunen Zucker. Nehmt den Kuchen aus dem Ofen und gebt die Flüssigkeit gleichmäßig auf den noch heißen Kuchen. Der Saft zieht schnell ein und verleiht dem Kuchen seine Saftigkeit.

5. Mischt den Puderzucker mit dem letzten Esslöffel Zitronensaft und etwas Leitungswasser zu einem dickflüssigen Guss. Streicht den Guss gleichmäßig auf den Kuchen. Das war’s!

Statt einer Springform könnt ihr auch vier kleine Keramikförmchen nehmen, das gibt dann große Törtchen. Wenn es ein Kuchen wie aus der Kindheit werden soll, könnt ihr ihn noch mit Gummibärchen, Smarties oder Zuckerblümchen verzieren. Ich hab ihn heute ganz pur gelassen. Und er war dann trotzdem ganz schnell weg…

Was ist euer Kindheitskuchen?

Süße Grüße!

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